19.08.2014 | Literatur |

10 Jahre nach dem Brand


Nikolaus Kopernikus: De Revolutionibus Orbium coelestium, Libri VI., Nürnberg, Petreius, 1543, Foto: Candy Welz © Klassik Stiftung Weimar

Am 2. September 2004 brach in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar ein verheerender Brand aus, der das Gebäude und den wertvollen Buch- und Kunstbestand stark beschädigte. Nach aufwendigen Restaurierungsarbeiten steht heute der größte Teil der 118.000 vom Brand und den Brandfolgen beschädigten Bücher wieder der Benutzung zur Verfügung. Von den 50.000 gänzlich verbrannten Büchern konnten bislang 10.000 durch ein Exemplar der gleichen Ausgabe ersetzt werden. Michael Knoche, Direktor der Bibliothek, betont: »Die bauliche Sanierung der Bibliothek ist in drei Jahren perfekt gelungen. Der Wiederaufbau der Büchersammlung wird sehr viel länger dauern, aber wir freuen uns über das bisher Erreichte. Noch nie sind von einer einzelnen Institution so viele komplexe Restaurierungen in einem so kurzen Zeitraum realisiert worden.« Die Bibliothek versteht sich heute als Forschungsbibliothek für Literatur- und Kulturgeschichte mit Schwerpunkt auf der deutschen Literatur um 1800.
Ausschlaggebend für den Erfolg in der Buchrestaurierung war insbesondere die enge Zusammenarbeit der Bibliothek mit Partnern der Restaurierungswissenschaft aus Hochschulen und öffentlichen Einrichtungen sowie mit Experten aus der Restaurierungspraxis. So haben 27 Werkstätten aus vielen europäischen Ländern nach einheitlichen Standards an der Bearbeitung brandgeschädigter Bücher mitgewirkt. Auf diese Weise ist es gelungen, den Einstieg in die Mengenrestaurierung zu schaffen. Auch die Entwicklung eines patentierten Verfahrens für die Behandlung der brandgeschädigten Papiere ist dieser Zusammenarbeit zu verdanken.
Eines der wertvollsten Bücher, das bei den noch andauernden Arbeiten zur Sichtung und Identifizierung der sogenannten Aschebücher wiedergefunden wurde ist die 1543 in Nürnberg gedruckte Erstausgabe des Hauptwerks von Nikolaus Kopernikus »De Revolutionibus Orbium coelestium, Libri VI«. Mehr als 2.000 Jahre lang war die Erde als ruhendes Zentrum der Schöpfung angesehen worden. Kopernikus wies nach, dass sie um ihre Achse rotiert und Teil eines um die Sonne kreisenden Planetensystems ist. Nur wenige Bücher haben den Blick der Menschheit auf die Welt und auf sich selbst so nachhaltig verändert. Das beschädigte Exemplar der Herzogin Anna Amalia Bibliothek enthält Anstreichungen und Kommentare eines zeitgenössischen Lesers. Es soll in der Spezialwerkstatt für brandgeschädigtes Schriftgut in Weimar-Legefeld nun sorgfältig restauriert werden. Danach wird es seinen besonderen Platz inmitten der reichen historischen Bestände zurückerhalten.


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