03.09.2014 | Bildende Kunst |

Die Prinzessin von Trapezunt


Linde Burkhardt, Die Mitgift der Prinzessin von Trapezunt, 2010

Das Reich von Trapezunt lag zwischen Byzanz und Georgien an der Südküste des Schwarzen Meeres und erlebte im 13. und 14. Jahrhundert eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte: Der Hof der Komnenen-Kaiser wurde zum letzten Rückzugsgebiet der griechisch-byzantinischen Kultur in Kleinasien, Knotenpunkt der Handelsrouten zwischen West und Ost. Zwischen 1330 und 1347 regierte dort Kaiserin Johanna, deren Tochter Esther auf Wunsch ihrer Mutter mit dem König von Portugal vermählt werden sollte. Er galt als jung, schön und besonders kühn. Deshalb schickte Johanna dem König ihre Botschafter mit Esthers Bildnis und vielen kostbaren Geschenken. Der Portugiese willigte in die Heirat ein und sandte seinerseits Botschafter mit seinem Porträt und noch reicheren Geschenken nach Trapezunt zurück. Daraufhin begab sich die Prinzessin in Begleitung einiger Eunuchen auf die lange Seereise an den Westrand des damaligen Erdkreises. Da ungewiss war, ob ihre Tochter die Heimat je wiedersehen würde, hatte die Kaiserin Künstler und Handwerker beauftragt, als Mitgift sieben Stelen zu fertigen, welche die sieben Lieblingsstädte Esthers in ihrer Heimat darstellten: Amisius, Amastris, Heraclea Pontica, Kerasus, Side, Sinope und Tios.

Die Gestalterin Linde Burkhardt setzt in ihrem Projekt »Die Mitgift der Prinzessin von Trapezunt«, einer Kombination von Keramik mit Muranoglas, Holz und Marmor, die Legende um. Die Werkgruppe aus sieben lebens- bis überlebensgroßen, skulpturalen Objekten transferiert die mythische Legende der Prinzessin von Trapezunt in ein postmodernes Statement über die Verbindung von Orient und Okzident. Sie wird präsentiert in Zusammenarbeit mit der Neuen Sammlung – The International Design Museum Munich.


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